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El Salvador und „Frauen-Fantum“

Heute im RaBe-Info: Die Wanderausstellung „Fan.Tastic Females“ rückt weibliches Fussball-Fantum ins Zentrum und die Organisation „Pro Busqueda“ sucht nach den verschwundenen Kindern des Bürgerkriegs in El Salvador.

«Weibliche Fussballfans sind nicht weniger fan»

Seit sich der BSC Young Boys auf Rekordkurs befindet, ist auch die Zahl der verkauften Saisonkarten markant gestiegen. 18’700 Abonnenten sind es für die laufende Saison – 20% dieser Abonnements gehören Frauen.

Weibliche Fussballfans gibt es zurzeit auch in demjenigen Teil des Wankdorf-Stadions zu sehen, wo normalerweise YB-Trainer Seoane zu Reporter*innen spricht. Im Medienzentrum gastiert die Ausstellung Fan.Tastic Females, in welcher rund 80 weiblich Fussball-Fans aus 20 Länder porträtiert werden. Ins Leben gerufen wurde die Wanderausstellung von FSE – Football Support Europe.

Seit den 1910er-Jahren mit Herzblut dabei: Fan.tastic Females

In Fan.Tastic Females wird die ganze Bandbreite des weiblichen Fussballfantums abgebildet: Von der stinknormalen Match-Gängerin, über Frauen aus Ultra-Gruppierungen bis hin zur über 80-jährigen englischen Dauerkartenbesitzerin ist alles vertreten. In Videos, welche Ausstellungs-Besucher*innen über ihre Smartphones aufrufen können, erzählen die jungen und nicht mehr ganz so jungen Ladies aus ihrem Alltag als Fussball-Fans.

Ziel der Ausstellung sei es, die Vielfalt weiblicher Fankultur zu zeigen, aber auch darauf aufmerksam zu machen, dass es immer noch nicht selbstverständlich sei, dass Frauen im Stadion angetroffen würden, sagt Monika Metzger, Projektleiterin bei der Fanarbeit Bern. Die unsäglichen Klischees, welche sich aus dieser Tatsache ergeben, visualisiert Fan.Tastic Female in einem Bullshit-Bingo. Darauf abgebildet sind Fragen mit welchen sich weibliche Fans in Stadien nachwievor konfrontiert sehen. «Interessierst du dich wirklich für Fussball?», «Wo ist dein Freund?» und «Kennst du die Abseitsregel?» steht da etwa geschrieben. «Dabei gibt keinen Grund, warum weibliche Fans weniger fan sein sollen. Oder weniger kompetent. Sie gehen mit genau gleich viel Leidenschaft zur Sache», sagt Monika Metzger. Wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Mit Monika Metzger durch die Aussellung Fan.Tastic Females:

Fan.Tastic Females, 28.2. – 8.3.2019, Pressezentrum Wankdorf-Stadion. Im Rahmen der Wanderausstellung werden zahlreiche Side Events geboten – so etwa Workshops im Fahnenmalen, Siebdruck oder Selbstverteidigung sowie Diskussionsrunden. Zu Programm und Anmeldung gehts hier.

Fan.tastic Females: Hedy Braun

Die mutmasslich älteste Supporterin Hedy Braun (101) hat klare Meinungen über die Super League und analysiert das Schaffen des Trainers von BSC Young Boys:

Gepostet von Fanarbeit Bern am Mittwoch, 20. Februar 2019

 

Die verschwundenen Kinder von El Salvador

Die Organisation Pro-Búsqueda aus El Salvador sucht nach Kindern, die im Bürgerkrieg (1979–1992) von den Regierungstruppen entführt wurden. Von den über 900 verschwundenen Kindern konnten bis heute 444 wieder mit ihren ursprünglichen Familien wieder zusammengeführt werden.

Während dem Kalten Krieg im 20. Jahrhundert fanden auf der ganzen Welt zahlreiche sogenannte Stellvertreterkriege statt. Die USA und die Sowjetunion standen sich nicht selbst gegenüber, sondern sie unterstützten gegnerische Kriegsparteien. Im zentralamerikanischen El Salvador kämpfte die rechte Regierung, unterstützt von den USA, gegen eine linksgerichtete Guerilla FMLN, welche die Unterstützung der Sowjetunion genoss. Die Regierung setzte dabei unter anderem auf eine besonders unmenschliche Kriegstaktik: Sie liess Kinder von Familien entführen, die im Verdacht standen, der Guerilla nahe zu stehen.

Mit Hilfe der Regierung entstand ein kriminelles Kinderhandelsnetzwerk. Ein Teil der Kinder wurden (illegal) zur Adoption freigegeben und landeten in den USA, Europa und Australien. Andere wurden von ihren Entführern, Offizieren der Armee, gleich selber adoptiert oder sie wurden in Waisenhäuser gesteckt. Kürzlich wurde bekannt, das ein Teil der Kinder ermordet wurde.

Helí Jeremías Hernández und Ana Julia Escalante von Pro-Búsqueda

Seit 1994 versucht Pro-Búsqueda die verschwundenen Kinder aufzuspüren und mit ihren ursprünglichen Familien zusammen zu bringen. Die Organisation untersucht die Dokumente, an die sie gelangen kann, zum Beispiel Gerichtsdokumente. Sie befragt Zeugen und Zeuginnen der Entführungen. Zudem kann die auf eine DNS-Datenbank mit genetischen Informationen der betroffenen Familien zugreifen, die sie selber geschaffen hat. Einzelne entführte Kinder kommen selber auf Pro-Búsqueda zu, weil sie wissen wollen, von wo sie ursprünglich stammen.

Erst nach einem Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte (2005) begannen auch die Behörden El Salvadors zu helfen, die Geschichte aufzuarbeiten. Doch noch immer darf Pro Busqueda nicht auf Dokumente des Militärs zurück greifen. Obwohl dort wichtige Informationen über den Verbleib der Kinder lagern würde, bleiben sie geheim.

Nach der Wiedervereinigung von Familien kümmert sich Pro-Búsqueda weiterhin um deren Betreuung. Einzelne Kinder können zu ihrer Familie wieder eine Beziehung knüpfen. Andere haben mehr Mühe, zuweilen auch, weil sie keinen Bezug mehr zur Kultur haben und kein Spanisch sprechen.

«Wir kämpfen, bis wir die letzte verschwundene Person gefunden haben», sagte der Gründer von Pro-Búsqueda, der Jesuitenpriester Jon Cortina, einst und heute arbeitet die Organisation immer noch mit diesem Motto.

Das Gespräch von Michael Spahr mit Helí Jeremías Hernández und Ana Julia Escalante von Pro-Búsqueda, die auf Einladung von Swisspeace, PBI und Guatemalanetz in Bern sind: