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20 Jahre † Carlo Giuliani

Am 20. Juli 2021 jährt sich der Tod von Carlo Giuliani zum 20. Mal. Giuliani starb im Rahmen der globalisierungskritischen Proteste gegen den G8-Gipfel in Genua. Aus dem Auto heraus schoss ein Polizist dem Studenten in den Kopf, als sich dieser mit einem Feuerlöscher auf ein Polizeifahrzeug zubewegte, während dutzende Einsatzkräfte tatenlos danebenstanden.
Für viele Globalisierungskritiker*innen war Genua traumatisch. Giulianis Tod und die bürgerkriegsähnlichen Zustände in der italienischen Hafenstadt markierten sowohl für die globalisierungskritische Bewegung als auch für die staatliche Antwort auf die Proteste einen fundamentalen Wendepunkt : Repression war das Zauberwort der 00er Jahre.

Als offizielle Geburtsstunde der globalisierungskritischen Bewegung gelten die Proteste rund um das Gipfeltreffen der Welthandelsorganisation WTO im amerikanischen Seattle im Jahre 1999. Über 50 000 Demonstrierende waren in der Überzeugung «eine andere Welt ist möglich» gekommen und legten die Stadt lahm. Bereits in Seattle gab es zertrümmerte Schaufenster und viel Tränengas, Genua aber stellte Seattle bei weitem in den Schatten. Es gab Strassenschlachten und hunderte Schwerverletzte, und es gab den tödlichen Schuss auf Carlo Giuliani.

Proteste in Genua 2001

Die 2000er Jahre waren von einer zunehmenden Kriminalisierung der Bewegung und massiver polizeilicher Repression geprägt, auch hierzulande im Rahmen der Proteste gegen das World Economic Forum WEF in Davos. 2004 wurden über 1000 Demonstrierende stundenlang am Bahnhof Landquart eingekesselt, ohne Möglichkeit zu trinken, zu essen oder auf die Toilette zu gehen.

Laut Markus Flück, langjähriger Aktivist bei Attac Bern hat die zunehmende Repression die Bewegung nachhaltig verunsichert und auch gespalten. Viel sei über Polizeigewalt diskutiert worden, aber auch über Gewalt innerhalb der Bewegung. Auch die mediale Berichterstattung habe sich zunehmend ausschliesslich auf die Krawalle fokussiert. Die Forderungen der Bewegung blieben dabei je länger je mehr auf der Strecke.

Zu Beginn richtete sich die Kritik der globalisierungskritischen Bewegung insbesondere an die Welthandelsorganisation WTO und die Weltbank, zunehmend auch an den internationalen Finanzplatz und die multinationalen Unternehmen.
Diese Themen und Akteur*innen stehen bis heute im Zentrum der Kritik. Gleichzeitig aber sind laut Markus Flück einige Forderungen der Bewegung quasi

Markus Flück, Attac Bern

im Mainstream angekommen. Beispielhaft zeigten dies zum Beispiel die nur hauchdünn verlorene Abstimmung über die Konzerninitiative in der Schweiz oder die jüngste Forderung der G7-Staaten nach einer weltweiten Mindeststeuer für multinationale Konzerne.

Während einzelne Forderungen der Bewegung mittlerweile breit diskutiert und / oder umgesetzt werden, ist es um die globalisierungskritische Gipfelprotestbewegung selber stiller geworden. Lautstarke Proteste tragen heute die Klimabewegung und identitätspolitische Bewegungen wie die LGBTIQ- oder die Black Lives Matter-Bewegung auf die Strasse.
Trotzdem sei eine lautstarke Globalisierungskritik heute wichtiger denn je, betont Markus Flück von Attac Bern, weil die Welt einerseits heute noch viel globaler geworden sei als noch vor 20 Jahren, und andererseits die globalen Krisen sich beispielsweise durch den Klimawandel oder die durch die Krisenherde der Welt ausgelösten Flucht- und Migrationsbewegungen sich nochmals verschärft hätten.