Es war eine Frage der Zeit, bis die Türkei Nordostsyrien erneut angreift. Seit Monaten kündigte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan an, Syriens kurdische Autonomieregion zerschlagen zu wollen. Nun ist es soweit: Die ersten Bomben schlugen in der Nacht auf vergangenen Sonntag ein. Laut lokalen Angaben erlagen bisher über 60 Personen den Bombardierungen, viele davon Zivilist:innen. Die Türkei hat angekündigt, die Angriffe zu intensivieren und droht mit Bodenangriffen.
Die Kriegsführung der Türkei wird von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert. Der Türkei wird vorgeworfen, nicht zwischen zivilen und militärischen Zielen zu unterscheiden. Etliche Zivilist:innen kamen bei sogenannten Double-Tap Strikes ums Leben: Dabei wird eine Bombe abgeworfen, die zur Hilfe eilenden Rettungskräfte werden daraufhin erneut mit einer zweiten Ladung bombardiert.
Die aktuelle Eskalation in den autonomen Gebieten Nordostsyriens steht im Zusammenhang mit den Bombenattentaten in Istanbul, bei dem am 13. November in der Fussgängerzone sechs Menschen ums Leben kamen. Der türkische

Bei dem türkischen Doppelschlag in Derik wurden 9 Zivilisten, darunter ein Journalist, getötet. (Quelle: RIC)
Staat macht die kurdische Arbeiterpartei PKK, beziehungsweise deren Ableger YPG, für die Anschläge verantwortlich.
An dieser Version gibt es jedoch Zweifel. Es ist Wahlkampfzeit in der Türkei, und die Umfragen sehen nicht gut aus für die regierende AKP. Es sei eine altbekannte Strategie der AKP, in einer solchen Situation durch eine gezielte Eskalation die Menschenmassen hinter sich zu scharen, meint Kerem Schamberger, der sich für die internationale kurdische Bewegung einsetzt.
International erntet die Türkei wenig Kritik für ihren Angriff. Es werde mit allen Mitteln versucht, die Türkei in den Reihen der NATO zu behalten, meint Kerem Schamberger. «Dies macht deutlich: es geht nicht um Moral, es geht um Geostrategie und Machtinteressen.» Diejenigen, die jetzt darunter leiden, seien, wie so oft, die in Rojava lebenden Menschen.
Kerem Schamberger ist Referent für Flucht und Migration bei Medico International und setzt sich aktivistisch für die internationale kurdische Bewegung ein. Das Interview wurde am Mittwoch, 23. November, geführt.







