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«Die Kindswegnahme durch Pro Juventute war ein kultureller Genozid»

Es ist eines der düstersten Kapitel in der neueren Schweizer Geschichte: Die Aktion Kinder der Landstrasse der Stiftung Pro Juventute. Ab 1926 wurden Jenischen und Sinti systematisch die Kinder weggenommen, Erwachsene wurden interniert und zum Teil zwangssterisisiert. Der Bund hat diese Verfolgung mitgetragen. Erst 1973 wurde die Aktion gestoppt, auch wegen dem  öffentlichen Druck.

Zwischen 1926 und 1973 nahm die Stiftung Pro Juventute mehrere Hundert Kinder aus jenischen Familien ihren Eltern weg. Die Kinder sollten so unter dem Deckmantel der Fürsorge sesshaft gemacht werden. (Foto: Bildarchiv Radgenossenschaft)

Die Grausamkeiten von damals wirken noch heute nach, betont Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft, der Dachorganisation der Jenischen und Sinti in der Schweiz. 1986 entschuldigte sich Bundesrat Alfons Egli zwar rückwirkend für die Aktion Kinder der Landstrasse. Einige der Opfer haben seither eine finanzielle Entschädigung erhalten, historische Untersuchungen wurden eingeleitet. Doch das reiche nicht aus, betont Daniel Huber. Die bundesrätliche Entschuldigung sei an die direktbetroffenen Opfer gerichtet, und nicht an die Jenischen und Sinti als Ganzes. Deswegen verlangt die Radgenossehschaft in einem offenen Brief vom Bundesrat, dass dieser die Aktion Kinder der Landstrasse als kulturellen Genozid anerkenne. Ein kultureller Genozid ist der Angriff gegen die kulturelle Identität einer ethnischen Gruppe. Von einem kulturellen Genozid ist dann die Rede, wenn die Angehörigen einer ethnischen Minderheit nicht getötet oder ausgelöscht werden, sondern wenn ihre Kultur unter Beschuss gerät. Und genau das sei passiert, meint auch die Rechtsprofessorin Nadja Capus von der Universität Neuchâtel. Man hätte etwa die Jenischen nicht physisch zerstören, sondern die Eigenheiten der Völkergruppe unterbinden wollen, so Capus gegenüber der Zeitschrift Beobachter.

Der offene Brief wurde Anfang Januar von der Radgenossenschschaft der Landstrasse an die zuständige Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider geschickt. Eine Antwort hätten sie noch nicht erhalten, meint Daniel Huber. Er hoffe aber auf Gesprächsbereitschaft von Seiten des Bundes.