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Retrospektive auf das cineastische Erbe Dorothy Arzners

Sie trug Hosen statt Kleid, lebte offen lesbisch und drehte Filme: Die Rede ist von Dorothy Arzner, in den 1930ger und 40ger Jahren die einzige weibliche Schauspielerin Hollywoods. Das Kino Rex widmet ihrem cineastischen Erbe eine Retrospektive.

Dorothy Arzner war die einzige weibliche Regisseurin ihrer Zeit. (Bild: Wikimedia Commons)

Eine Szene in einem schwummriger Nachtclub in irgendeiner amerikanischen Stadt, auf der Bühne tanzt eine Gruppe leichtbekleideter Frauen. Im Publikum fast ausschliesslich Männer, die lüstern zur Bühne blicken. So beginnt der Film Dance Girl Dance der Regisseurin Dorothy Arzner. Der Film handelt vom Leben zweier Tänzerinnen; die Ballerina Judy, gespielt von Maureen O’Hara und die Burlesquetänzerin Bubbles, verkörpert  von Lucille Ball. Beide Frauen fühlen sich zu Jimmy Harris hingezogen; ein junger, frisch geschiedener Mann mit einem Alkoholproblem, der seiner Exfrau hinterhertrauert.

Dance Girl Dance ist Dorothy Arzner berühmtester Film. Und typisch für Arzner bestimmt auch in diesem Film die vielschichtige Dynamik zwischen zwei Frauen den Plot. Überraschend ist in Dance Girl Dance nicht nur die Vielschichtigkeit der Menschenkonstellationen, sondern auch die Klarheit, mit der die Objektivierung des weiblichen Körpers angeprangert wird. In einer inbrünstigen Rede zum Schluss des Films schimpft Judy von der Bühne aus mit dem grösstenteils männlichen Publikum. Sie sollen sich schämen, sie anzustarren und zu sexualisieren. Ihre Mütter wären enttäuscht von ihnen.

Leichtbekleidete Frauen auf der Bühne, im Publikum fast ausschliesslich Männer. So beginnt der Film Dance Girl Dance der Regisseurin Dorothy Arzner aus dem Jahr 1940. (Bild: Dance Girl Dance, 1940).

Der Film Dance Girl Dance kommt 1940 heraus. Es ist einer der späteren Werke von Dorothy Arzner. Zu ihrer Zeit ist Arzner die einzige weibliche Regisseurin in ganz Hollywood.  Das verlange eine gewisse Stärke, betont sie in einem Interview in den 1970ger Jahren. Praktisch alle Hollywoodfilme der damaligen Zeit werden von Männern gedreht, Arzner ist die grosse Ausnahme.

In den damaligen Liebesfilmen wird die Ehe als das höchste Glück inszeniert. Bei Arzner wird die heterosexuelle Ehe aber eher problematisiert. Arzner selbst heiratet nie. Sie lebt in einer lesbischen Beziehung, vierzig Jahre lang ist sie mit der Choreografin Marion Morgan liiert. In ihren Filmen gibt es subtile homoerotische Anspielungen – ein Zwinkern, ein Grinsen, versteckte Anspielungen. Arzners Filme handeln aber von heterosexuellen Beziehungen. Dabei werden aber die Erfahrung der Frauen ins Zentrum gestellt, die Männer ständen für einmal eher am Rande, erklärt die Filmhistorikerin Shelley Stampim Dokumentarfilm Dorothy Arzner, Pioneer, Queer, Feminist.

Dance Girl Dance war einer der letzten Filme von Dorothy Arzner. In Folge der grossen Depression von 1929 und des zweiten Weltkrieges Krieges wurde das politische Klima in der Filmwelt kühler. Symbolisch steht dafür der Production Code, der das Filmschaffen ab den 1930ger Jahren regulierte. Der Code legte fest, welche politischen oder emanzipatorischen Darstellungen moralisch akzeptabel waren und welche nicht. Wohl auch deswegen zieht Arzner ab den 1940ger Jahren aus der Filmproduktion zurück. Sie dreht Werbespots und unterrichtet an Hochschulen. Ihre Werk gerät zuerst in Vergessenheit und wird in den 1970ger Jahren von der feministischen Filmwissenschaften Wiederentdeckt. Neun ihrer Filme werden ab heute in einer Retrospektive im Kino Rex gezeigt – einige erleben nach Jahrzehnten gar ihre Berner Premiere.

Die Retrospektive auf das Werk Dorothy Arzners beginnt heute im Kino Rex. Gezeigt wird der Dokumentarfilm Dorothy Arzner: Pioneer, Queer, Feminist  sowie der Spielfilm Working Girls aus dem Jahr 1931. Der im Beitrag besprochene Dance Girl Dance ist morgen abend zu sehen.