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Was haben Hassbilder auf tutti.ch zu suchen?

Memes, Karikaturen, Fotos – oft wird hass im Internet nicht nur sprachlich sondern über Bilder verbreitet. Ein Forschungsteam der Fachhochschule Graubünden und der Universität Freiburg hat solche Hassbilder gesammelt und genauer untersucht.

Franziska Oehmer-Pedrazzi ist Dozentin für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Fachhochschule Graubünden und hat die Studie geleitet. Sie definiert Hassbilder als «jede Form von visueller Kommunikation, die sich aufgrund von spezifischen Merkmalen wie die Nationalität, die Geschlechtsidentität oder politische Einstellungen bewusst gegen eine Person oder gegen eine Gruppe richtet». Hassbilder sind also quasi Hassrede in visueller Form. Die Fachhochschule Graubünden und die Universität Freiburg wollten mit ihrer Studie herausfinden, welche Personengruppen häufig Gegenstand von Hassbildern sind und auf welchen Plattformen Hassbilder verbreitet werden. Ein Viertel der untersuchten Hassbilder richtete sich gegen Personen aufgrund von ihrer Nationalität, bei rund jedem 10. Bild wurden trans Personen angegriffen.

Foto: Unsplash

Um die zu untersuchenden Bilder zu sammeln wandte das Team eine bis anhin wenig verbreitete Methode an wie Franziska Oehmer-Pedrazzi erklärt: «Wir hatten uns nicht für eine bestimmte Plattform oder bestimmte Accounts entschieden, die wir analysieren wollten, sondern haben einen breiten Aufruf gestarten, damit die Schweizer Bevölkerung uns Hassbilder schicken konnte, auf die sie in der Onlinekommunikation gestossen waren.» Damit konnten die Forscher*innen Hassbilder untersuchen, die sie sonst möglichwerweise gar nicht erfasst hätten. Dabei stiessen sie an Orten auf Hassbilder, an denen man sie nicht vermuten würde. So stammten manche der Bilder nicht nur von sozialen Medien wie X oder Instagram, sondern von Portalen für Kleinanzeigen wie Amazon oder tutti.ch.

Ein Grund dafür könnten die geringen Melde- und Beschwerdeoptionen auf solchen Plattformen sein. Während die Inhalte auf sozialen Medien stärker moderiert und reguliert werden, gibt es auf Kleinanzeigeportalen kaum Möglichkeiten, einen Beitrag wegen der Verbreitung von Hass zu melden. So könnte es sein, dass manche Nutzer*innen bewusst auf Kleinanzeigeportale ausweichen, um die Regulierung auf den sozialen Medien zu umgehen.

Die Studie der Fachhochschule Graubünden und der Universität Freiburg soll nicht nur die Verbreitung von Hassbildern objektiv beschreiben, sie soll auch Hilfestellung leisten für den Umgang mit Hassbildern. Deshalb haben die Studienautor*innen mehrere Handlungsempfehlungen ausgearbeitet. Dazu gehört einerseits die Anregung, dass sich staatliche Regulierungsbemühungen nicht nur gegen klassische soziale Medien richten sollen, sondern auch solche Kleinanzeigeportale in den Blick nehmen sollten.

Die zweite Handlungsempfehlung richtet sich an die Politiker*innen. Sie sollen ihrer Verantwortung für den politischen Diskurs nachkommen, indem sie sich im Rahmen einer Selbstverpflichtung darauf verständigen, keine Hassbilder gegen politisch Andersdenkende zu streuen. Die dritte Handlungsempfehlung betrifft die Medien. Diese sollen ein Bewusstsein für die Wirkung von Hassbildern schaffen und diese nicht weiterverbreiten, so Franziska Oehmer-Pedrazzi.

Ein weiterer Beitrag, um der Wirkung von Hassbildern entgegenzutreten, sollen sogenannte Counter-Bilder sein. Diese sollen wie die Gegenrede bei Hassrede einen bewussten Gegenpunkt setzen oder Solidarität mit Betroffenen signalisieren. An einem Promt-a-thon sollen genau solche Counter-Bilder entstehen. Die Fachhochschule Graubünden lädt dazu am Freitag an ihrem Standort dazu ein, Promts für KI-Tools zu entwerfen um solche Bilder zu generieren.