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Dann bist du bei der Info-Sendung richtig. Du lernst alle wichtigen, journalistischen Schritte von der Recherche über Interviewführung, Beitragsgestaltung bis hin zu Moderation und Sendetechnik im Studio. Daneben absolvierst du das zertifizierte Basismodul Radiojournalismus der Radioschule klipp+klang.

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«Vincents Roman gehört jetzt in die Öffentlichkeit!»

Nächsten Sonntag, am 23. Juni, würde Vincent O. Carter 100-jährig. Der in Kansas City geborene Autor lebte ab 1953 in Bern. Seine Erfahrungen als einer der ersten Schwarzen in der Stadt Bern und Teil der damaligen Berner Künstler*innen-Szene hielt er im «Bernbuch» fest, dessen deutsche Übersetzung vor drei Jahren erschienen ist. Im letzten Jahr brachte Bühnen Bern das Bernbuch auf die Theaterbühne. Zu seinem 100. Geburtstag ist nun mit «Amerigo Jones» die zweite deutsche Übersetzung eines Romans von Carter erschienen. Ausserdem wird sein Nachlass dem Literaturarchiv übergeben.

Liselotte Haas war 22 Jahre lang bis zu seinem Tod die Lebenspartnerin und Vertraute von Vincent O. Carter. Die heute 90-jähtige hat noch immer eine Menge über den Autoren und ihre gemeinsame Zeit zu erzählen. Wenn sie von ihrer gemeinsamen Zeit mit Vincent O. Carter erzählt, wird deutlich hörbar, welche innige Verbundenheit die beiden zueinander verspürten. Kennen gelernt hat sie Carter, als sie beim Radio arbeitete. Weil sie Schallplatten mit englischen Titeln vorstellen musste suchte sie einen Englischlehrer. Ihr wurde ein Englsichlehrer in der Berner Alstadt empfohlen. «Das war dann eben Vincent», erzählt Liselotte Haas, «aber wir hatten uns so viel zu erzählen, dass ich gar nicht dazu kam, Englisch zu lernen.»

Das Paar verkehrte lange Zeit in der Künstler*innen-Szene der Stadt. «Mindestens zehn Jahre Lang verbrachten wir jeden Abend im Commerce», erinnert sich Haas. Das sei eine schöne Zeit gewesen. «Dort waren alle Künstler und man wusste: Im Commerce hast du die besten Gespräche.» Und auf dem Tisch hätten immer ein Korb mit Brot und Zwiebeln zum drauf streuen gestanden – ganz praktisch für Künstler*innen mit wenig Geld. Und immer habe irgendwer eine Runde Rotwein ausgegeben.

Zu seinen Lebzeiten ist nur ein Buch von Vincent O. Carter erschienen und das nur auf Englisch: das Bernbuch. Manche hätten deshalb das Gefühl, Carter sei verbittert gestorben. Doch das stimmt nicht, sagt Haas, Carter sei immer glücklich gewesen, auch wenn das Manuskript für «Amerigo Jones» von 30 verschiedenen Verlagen abgelehnt worden war. Erschienen ist der Roman erst Posthum, auf Englisch unter dem Titel «Such Sweet Thunder». Darin erzählt Carter die Geschichte einer Kindheit und Jugend im Kansas City der 1920er- und 1930er-Jahre. Also in gewisser Weise auch seine eigene.

Dass dieser Roman nun wie das Bernbuch in der deutschen Übersetzung erschienen ist, freut Lieselotte Haas umso mehr: «Er gehört jetzt in die Öffentlichkeit!»

Das Gespräch mit Liselotte Haas hat Rita Jost für ihren Artikel im Onlinemagazin Journal B geführt.

Liselotte Haas in ihrem Garten im Altenberg (Foto: Rita Jost)