Der Tod ist in der Gesellschaft meist ein ernstes, oft verdrängtes Thema. Umso ungewöhnlicher wirkt ein Festival, das sich ihm bewusst und in heiterer Atmosphäre nähert. Genau das geschieht an diesem Wochenende in der Heitere Fahne, bereits zum zweiten Mal. Initiantin Andrea Suter berichtet von überraschend positiven Reaktionen. Irritationen habe es kaum gegeben, stattdessen viel Ermutigung. Viele Menschen zeigten sich dankbar, dass das Thema Tod auf besondere Weise aufgegriffen und ein Raum für Austausch geschaffen werde.
Ein zentrales Element des Festivals ist das «Hotel Amort». Dabei handelt es sich um ein persönliches Begegnungsformat: Fachpersonen, Künstler:innen und Aktivist:innen gestalten eigene Räume, die Besucherinnen und Besucher betreten können. In Gesprächen oder kleinen Ritualen nähern sie sich dort dem Thema Tod auf direkte, individuelle Weise. Daneben stehen Konzerte, Performances, Klanginstallationen sowie gemeinsames Essen und Trinken auf dem Programm. Denn gefeiert werde nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Sterben, sondern auch das Leben selbst, so Suter.
Für Hannes Heergarten ist Heiterkeit keine Verharmlosung des Todes, sondern eine bewusste Haltung. Er beruft sich auf den Philosophen Friedrich Nietzsche, der sinngemäss sagte, man sei seines Todes gewiss – warum also nicht heiter sein? Gerade im Älterwerden könne eine Heiterkeit helfen, Verbitterung zu vermeiden. Auch wenn das Leben nicht immer leicht sei, könne man versuchen, ihm mit einer offenen Grundstimmung zu begegnen.
Für Andrea Suter ist die bewusste Auseinandersetzung mit der Endlichkeit kein düsteres Gedankenspiel, sondern eine Perspektive aufs Leben. So versteht sich das Festival nicht als Feier des Todes, sondern als Einladung, ihm einen Platz im Leben zu geben: offen, gemeinschaftlich und mit einer Prise Heiterkeit.