RaBe-Info
Von
Simone Keller
am
26. März 2025
Syrien: Schreiben für Gerechtigkeit
Der Autor und Aktivist Mutasim Khalaf schreibt über die Situation von Syrer*innen, insbesondere syrischen Geflüchteten in Libanon und verschafft ihnen so Gehör. (Foto: © Mutasim Khalaf)

Diesen Monat jährte sich die syrische Revolution zum 14. Mal. Die Proteste begannen am 15. März in der syrischen Stadt Daraa und standen für politische Freiheit und die Absetzung des Baath-Regimes. Trotz dem Sturz des Assad Regimes am 8. Dezember 2024 ist die Gerechtigkeit für Syrer*innen noch lange nicht hergestellt und das Land blickt auf eine unsichere Zukunft.

Der im Libanon lebende Autor und Aktivist Mutasim Khalaf schreibt, um auf die Situation von Syrer*innen, insbesondere syrischen Geflüchteten aufmerksam zu machen. Seine Texte veröffentlichte er im libanesischen online Plattform megaphon, bei der Menschenrechtsorganisation The Syrian Campaign oder beim Institute for Palestine Studies. Angesichts der prekären Situation und Diskriminierung von geflüchteten Syrer*innen in Libanon eine schwierige Arbeit.

Aufgewachsen ist er der syrisch palästinensische Autor im Yarmouk-Lager für palästinensische Flüchtlinge in Damaskus. Syrien verliess er im Jahr 2016 aufgrund des Krieges, der im Zuge des arabischen Frühlings ausgebrochen war. Heute lebt der Schriftsteller gut zwei Autostunden von seiner Heimat entfernt, in Beirut.

«Ich habe viele Freunde, die inhaftiert worden sind, viele sind noch immer vermisst und das Land befindet sich nach dem Sturz Assads in einer tragischen sozialen und humanitären Lage.»
Mutasim Khalaf Autor und Aktivist

Während der syrischen Revolution sei er im Teenageralter gewesen, erinnert sich der Schriftsteller. Für Mutasim Kahalf, für seine Familie und Freund*innen, erinnere der Jahrestag der syrischen Revolution auch an den Schmerz vor dem Sturz des Baath-Regimes: «Ich habe viele Freunde, die inhaftiert worden sind, viele sind noch immer vermisst und das Land befindet sich nach dem Sturz Assads in einer tragischen sozialen und humanitären Lage», erzählt Mutasim Khalaf.

Gemäss Schätzungen der Internationale Kommission für Vermisste Personen belaufen sich Zahlen der vermissten Syrer*innen auf etwa 200.000. Darunter Personen, die infolge von willkürlichen Hinrichtungen, willkürlicher Isolationshaft, Entführung und Verschleppung, Zwangsumsiedlung und anderen Menschenrechtsverletzungen vermisst werden.

«Das Schicksal nach den Verschwundenen und Gefangenen des Assad Regimes ist auch heute Kernfrage von syrischen Aktivist*innen.»
Mutasim Khalaf Autor und Aktivist

Die Frage nach der Gerechtigkeit stehe noch immer im Raum und sei Teil der syrischen Revolution, so Mutasim Khalaf: «Das Schicksal nach den Verschwundenen und Gefangenen des Assad Regimes ist auch heute Kernfrage von syrischen Aktivist*innen.»

Hinzu kämen aber auch die Tötungen an Kurd*innen in den nördlichen Gebieten Syriens, die jüngsten Massaker in den alawitisch geprägten Teilen des Landes, oder die israelischen Angriffe auf Gebiete wie Daraa. Mutasim Khalaf will, dass die Verantwortlichen für die Verbrechen an Syrer*innen zur Verantwortung gezogen würden.

Doch für ihn ist auch klar, dass die Gesellschaft in Syrien noch eine Menge Arbeit vor sich habe. Für ihn und andere Journalist*innen, Schriftsteller*innen und Aktivist*innen sei es eine grosse Herausforderung die Geschehnisse an den Menschen in Syrien und den syrischen Geflüchteten zu dokumentieren. Und trotzdem ist es der Traum nach Gerechtigkeit, nach Freiheit und einer Demokratie für die syrische Gesellschaft, der Mutasim Khalaf weiterschreiben lässt.

Veranstaltung «Roundtable The Fall of the Assad Regime: What Is Next for Syria?»

Der Fachbereich Mittlerer Osten und Muslimische Gesellschaften veranstaltet heute um 16.15 Uhr die Veranstaltung «Roundtable The Fall of the Assad Regime: What Is Next for Syria?» an der Universität Bern (Unitobler, Seminarraum F-105).

Bei einem Rundtischgespräch kommen Syrien-Expert*innen n aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen, um diese jüngsten Entwicklungen sowie die aktuelle politische und gesellschaftliche Lage in Syrien zu diskutieren.

Es sprechen Thair Alsaadi (Journalist), Özge Biner (Collège de France), Ahmed Eleiba (Swisspeace), Johannes Waardenburg (Universität Mailand), moderiert wird der Anlass von Ali Sonay (Dozent am Fachbereich Fachbereich Mittlerer Osten und muslimische Gesellschaften, Universität Bern).

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