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12. März 2026
Viele Berner:innen verzichten auf Sozialleistungen
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Foto: Pixabay Viele Menschen beziehen im Kanton Bern keine Sozialleistungen, obwohl sie Anrecht darauf hätten.

Im Kanton Bern beziehen viele Menschen keine Sozialleistungen, obwohl sie darauf Anspruch hätten. Wie viele Personen genau davon betroffen sind, lässt sich nicht leicht ermitteln. Eine Studie der Berner Fachhochschule zeigt, dass rund jede dritte Person, die Anspruch auf Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen hätte, auf diese verzichtet. Grossrätin Rahel Ruch kommentiert dazu: «Das heißt, so viele Menschen, die haben eigentlich keinen Zugang zum sozialen Netz. Aus meiner Sicht ist das eigentlich ein Versagen des Sozialstaats.»

«Aus meiner Sicht ist das eigentlich ein Versagen des Sozialstaats»
Rahel Ruch Grossrätin

In vielen Fällen wissen die Betroffenen schlicht nicht, dass ihnen mehr Sozialleistungen zustehen, als sie tatsächlich beziehen. Genau hier will Rahel Ruch ansetzen: Sie schlägt vor, dass der Kanton Bern eine Informationskampagne lanciert. Ein Vorbild ist der Kanton Jura, wo eine ähnliche Aktion bereits durchgeführt wurde. Über Inserate in Zeitungen, Plakate sowie die Zusammenarbeit mit Hilfswerken und Kirchen konnten Betroffene per SMS oder über eine Website Hilfe beantragen. Ziel war ein niederschwelliger Zugang zu Unterstützung. Über 100 Personen meldeten sich daraufhin, deutlich mehr als ursprünglich erwartet.

Ruch betont: «Es geht nicht darum, teure Inserate oder Plakatkampagnen zu machen, sondern es geht darum, dort, wo man die Leute erreichen kann, also zum Beispiel über Hilfswerke, über aufsuchende Sozialarbeit, zu den Leuten zu gelangen und sie über das Recht, Sozialhilfe zu beziehen, zu informieren auf eine Art und Weise, wie es die Leute eben auch verstehen, wie es zu ihnen dann wirklich kommt.»

Vor rund einem Jahr reichte Rahel Ruch im Grossen Rat eine Motion ein, die nun diskutiert wird. Der Regierungsrat empfiehlt jedoch eine Ablehnung des Vorstosses, da er die bestehenden Informations- und Unterstützungsangebote als ausreichend betrachtet. In dieser Session haben linke Anliegen Schwierigkeiten, da sie von der bürgerlichen Mehrheit häufig überstimmt werden. Trotzdem bleibt Ruch zuversichtlich: «Ich bin nach wie vor zuversichtlich, weil es ist eine kleine Massnahme. Es geht hier nicht um mehr Leistungen, sondern es geht nur darum, dass die Menschen, die eigentlich das Anrecht auf eine Leistung des Staates haben, dass sie da auch davon wissen, dass sie darüber informiert sind, dass sie informiert entscheiden können. Und ich denke, das ist etwas, das eigentlich auch große Teile der Mitte beispielsweise begrüßen müssten. Es ist ja auch so, dass die SP und die EVP den Vorstoß mit eingereicht haben.» Ob die Mehrheit des Grossen Rates dieser Argumentation folgen wird, wird sich in den nächsten Stunden zeigen.

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