Von
am
13. Januar 2026
Klimawald und YB-Trainingsfelder? Die Stadt Bern stellt Konzepte für die Allmenden vor
Noah Pilloud
Foto: Noah Pilloud Heute besteht die Grosse Allmend hauptsächlich aus einer Rasenfläche, die Stadt sieht mehr Potenzial.

Zwischen Wankdorfstadion, Bernexpo und Postfinance Arena in der einen Ecke und der Kurve der Autobahn A6 in der anderen liegt die Grosse Allmend. Jenseits der Autobahn befindet sich die Kleine Allmend. Die beiden Grünflächen gehörten einst zusammen, ehe sich die Autobahn dazwischen schnitt.

In diesem Naherholungsgebiet treffen Footballspieler*innen auf Gleitschirmpilot*innen, zeitweise stehen Zirkuszelte da und ein Teil der kleinen Allmend dient der Schweizer Armee als Übungsgelände. Weil die unterschiedlichen Bedürfnisse zum Teil miteinander kollidieren, will die Stadt Bern die Nutzung der Allmenden neu ordnen. Am Montag hat die Direktion für Tiefbau, Verkehr uns Stadtgrün (TVS) sieben Varianten dafür vorgestellt. Diese seien ein Konzentrat aus der Arbeit, die drei Planungsteams während eines Jahres geleistet haben, erklärt der TVS-Direktor Matthias Aebischer. Die drei Teams setzten sich aus Planer*innen unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen.

«In der aktuellen Zusammensetzung würden weder der Gemeinderat noch der Stadtrat mehr Autoverkehr zulassen.»
Matthias Aebischer Gemeinderat

Die Ausgangslage war für alle Teams dieselbe: «Sie haben sich überlegt, wie man die beiden Allmenden zu Fuss oder mit dem Velo begehen und erleben kann», führt Aebischer aus. Heute sei dies noch nicht möglich, weil es sich bei den Allmenden im Wesentlichen um zwei grosse Rasenflächen handelt.

Über die sieben Varianten hinweg gibt es einige Gemeinsamkeiten. Beispielsweise sehen viele ein Lokal zum Einkehren vor und fast alle planen, mehr Bäume zu pflanzen. Die Teams legten für die Varianten aber auch verschiedene Schwerpunkte. Entsprechend fallen sie unterschiedlich aus. Einige setzen den Sport in den Vordergrund, andere die Bestände von klimarelevanten Bäumen und schliesslich gehen manche der Varianten von den Bedürfnissen der Fussgänger*innen aus.

Parteien und Umweltvereine äussern Bedenken

Ebenfalls gestern trat das Komitee «Berner Allmenden für Alle» an die Öffentlichkeit. Das Komitee setzt sich zusammen aus den Parteien Grünes Bündnis, Grüne Freie Liste, Grünalternative Partei, Junge Alternative, Alternative Linke sowie den Vereinen Bern bleibt Grün und Spurwechsel. «Unsere Hauptsorge ist, dass Partikularinteressen die ursprüngliche Idee der Allmenden untergraben», meint Anna Leissing vom Grünen Bündnis. Es gehe dem Komitee nicht in erster Linie um eine Kritik an der Testplanung der Stadt und den sieben Varianten.

Sorgen machen dem Komitee hingegen einzelne Interessen, die bisher Teil der Planung sind. So will die UBS ein unterirdisches Parkhaus bauen. Damit sollen die heutigen oberirdischen Parkplätze verschwinden können. Ein Parkhaus dieser Dimension ist für das Komitee allerdings undenkbar, sagt Anna Leissing: «Dass unter geschütztem städtischem Boden so viele Parkplätze entstehen sollen, ist für uns unverständlich.»

Unverständlich ist für Anna Leissing zudem, dass dies ausgerechnet in einer Stadt geschehen soll, die den Autoverkehr reduzieren will und die den Ausbau des Autobahnanschlusses Wankdorf ablehnt. Gemeinderat Matthias Aebischer betont in diesem Zusammenhang, dass sich die Stadtregierung nicht explizit gegen die Umgestaltung des Autobahnanschlusses ausspricht. Der Gemeinderat habe gegen die Planungsgenehmigung Beschwerde eingereicht, weil der das Projekt, so wie es geplant ist, als nicht mehr zeitgemäss erachtet, präzisiert Aebischer.

«Dass unter geschütztem städtischem Boden so viele Parkplätze entstehen sollen, ist für uns unverständlich.»
Anna Leissing Komitee «Berner Allmenden für alle»

Das Komitee «Berner Allmenden für Alle» äussert zudem Bedenken, das ganze Gebiet könne noch stärker auf die Bedürfnisse von Kommerz und Autoverkehr ausgerichtet werden. Eine Befürchtung, die Matthias Aebischer nicht teilt: «In der aktuellen Zusammensetzung würden weder der Gemeinderat noch der Stadtrat mehr Autoverkehr zulassen.»

Ebenfalls kritisch sieht das Komitee exklusive Nutzungsrechte für den Profisport. Denn in der Planung ist die Rede davon, dass der Fussballclub BSC Young Boys Trainingsfelder auf der Allmend erhalten soll. Das stehe mit der Grundidee der Allmend im Widerspruch, sagt Anna Leissing. Denn eine Allmend soll der gesamten Bevölkerung zugänglich sein.

Die Stadt will die Meinung der Bevölkerung

Wie die Bevölkerung zu alledem steht, dass will die Stadt im Rahmen eines Mitwirkungsverfahrens herausfinden. Nach Abschluss des Mitwirkungsverfahrens soll die politische Arbeit beginnen können, erklärt Aebischer das Ziel.

Teil der Mitwirkung ist eine öffentlichen Ausstellung im Bernexpo-Gebäude. Darin präsentiert die Stadt die sieben ausgearbeiteten Varianten. Das Komitee «Berner Allmenden für Alle» werde sich die Varianten genau anschauen und sich im Rahmen der Mitwirkung dazu äussern, sagt Anna Leissing.

Öffentliche Mitwirkung

Die Stadt Bern zeigt die sieben Varianten für eine zukünftige Nutzung der Allmenden in einer Ausstellung im Bernexpo-Gebäude. Die Ausstellung ist bis zum 28. Februar zu sehen. Im selben Zeitraum können die Berner*innen an einer Online-Umfrage teilnehmen.

Am Samstag, 17. Januar führt die Stadt einen Mitwkirkungstag durch. Zusätzlich gibt es Mitwirkungsanlässe speziell für Kinder und Jugendliche.

Mehr Informationen zur Mitwirkung gibt es hier.

Die Stadt hat nun also eine Grundlage geschaffen. Jetzt können Politik und Bevölkerung darüber diskutieren, wie die Allmenden in Zukunft genutzt werden sollen.

Das letzte Wort wird dabei die Stimmbevölkerung haben. Das Projekt wird frühestens im nächsten Jahr ohnehin an die Urne kommen. Je nach dem, wie der Planungsprozess verläuft, überlegt sich das Komitee «Berner Allmenden für Alle» zudem, eine Volksinitiative zu starten.

00:00
00:00
Herunterladen
Teilen
Rabe
Radio Bern: RaBe Sulgenrain 28, 3007 Bern,
rabe@rabe.ch
Studio:
031 330 99 99
,
studio@rabe.ch