RaBe-Info
Von
Noah Pilloud
am
26. März 2025
Wo beginnt das Böse?
Foto: Yoshiko Kusano

Die politische Theoretikerin Hannah Arendt beobachtete 1961 in Jerusalem den Prozess gegen Adolf Eichmann – der Mann, der im Naziregime die Vernichtung von über 6 Millionen Juden und Jüdinnen organisiert hatte. Ihre Eindrücke verarbeitete Hannah Arendt im Buch «Eichmann in Jerusalem». Darin beschreibt sie die Banalität des Bösen – ein Begriff der ihr auch Kritik einbrachte.

Die Bühnen Bern beschäftigen sich in ihrem neuesten Stück mit diesem Buch. In «Eichmann – wo die Nacht beginnt» treffen Hannah Arendt und Adolf Eichmann aufeinander. Dabei handelt es sich um einen fiktiven Dialog: «Hannah Arendt und Adolf Eichmann haben nie miteinander gesprochen», stellen die Darsteller*innen gleich zu Beginn des Stücks klar.

Wie geht man an eine solche fiktive Begegnung zweier historischer Persönlichkeiten ran? «Wir haben uns erstmal mit den historischen Fakten auseinandergesetzt», erzählt Roger Vontobel. Der Schauspieldirektor von Bühnen Bern hat beim Stück «Eichmann – wo die Nacht beginnt» Regie geführt. Die Beratung durch Expert*innen habe es dem Team ermöglicht, in den Kosmos des Denkens und Lebens von Hannah Arendt einzutauchen.

«Im Dialog zwischen Arendt und Eichmann stehen sich zwei Welten gegenüber.»
Roger Vontobel Regisseur

Roger Vontobel betont, dass er und sein Team den Anspruch erheben, sich entlang der Historie zu bewegen. «Gewisse Aspekte sind aber zugestiptz, etwa der Blick von Hannah Arendt auf Eichmann», ergänzt der Regisseur. Im Zentrum stehe dabei die Frage: Wo beginnt das Böse?

Im Dialog zwischen Arendt und Eichmann stehen sich zwei Welten gegenüber. «Die eine hat das Bedürfnis über die andere, so unbegreifliche, Welt etwas herauszufinden», so Vontobel. Das Vermächtnis von Hannah Arendt und ihren Gedanken über die Banalität des Bösen sieht Roger Vontobel darin, auf die Sprache aufmerksam zu machen.

«Die Dummheit die in der Verkleinerung, in der Sloganisierung oder in der Art und Weise, wie Begrifflichkeiten vertauscht werden, ligen kann, das trifft uns heute ins Mark», ist der Regisseur überzeugt. Deshalbe müsse man sich auch heute damit beschäftigen.

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