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18. Februar 2026
Boden spielt eine besondere Rolle beim Genozid in Gaza
Forensic Architecture
Foto: Forensic Architecture Eyal Weizman und sein Team untersuchen unter anderem, wie die israelische Armee den Boden in Gaza verändert.

Wie lässt sich ein Genozid durch die Linse der Architektur nachvollziehen? Genau das tut das Team der Rechercheagentur «Forensic Architecture». Diese Woche war deren Gründer, der israelische Architekt Eyal Weizman, zu Gast an der Universität Bern. Wir haben uns nach der Vorlesung mit ihm unterhalten.

Eyal Weizman, Sie haben in Ihrer Vorlesung viel über ein Phänomen gesprochen, das sie «Ungrounding» nennen. Sie bezeichneten es als Kriegshandlung, die auf den Boden abzielt. Können Sie das genauer erklären?

Zerstörung beschränkt sich normalerweise auf die Zerstörung von Gebäuden. Wenn Sie durch eine zerstörte Stadt gehen, sind da immer noch die Strassen und Sie können die Trümmerhaufen sehen, wo zuvor Gebäude standen.

Was wir hier sehen ist eine neue Form der Zerstörung, die auf den Boden abzielt. Wir müssen den Genozid in Gaza als Prozess zur Bodenherstellung verstehen. Auf der Oberfläche wurde alles entfernt. Völlig unbekannte Orte wurde kreiert. Die israelischen Streitkräfte haben die Trümmer palästinensischen Lebens zu Erdwällen aufgeschüttet.

«Israel hat nicht nur Städte und Dörfer ausgelöscht, sondern die Spuren dieser Zerstörung.»
Eyal Weizman Forensic Architecture

Es ist, als würde der Boden zu einem dickflüssigen Material werden. Flache Oberflächen werden zu Wellen und diese Wellen bewegen sich mit den Streitkräften fort. Die israelische Armee häuft diese Trümmerberge zu strategischen Positionen auf. Darauf platzieren sie Scharfschützen und Panzer, um die Gegend zu dominieren. 

Sie haben die Verbindung hergestellt zu der Vertreibung von Palästinenser*innen. Dabei konnten Sie zeigen, dass die Evakuierungsbefehle die Menschen aus den landwirtschaftlich genutzten Gebieten trieben, dahin wo die Landschaft vor allem aus Sanddünen besteht. In landwirtschaftlichen Gebieten fand anschliessend besagtes «Ungrounding» statt. Was sagt das über eine mögliche Absicht zum Völkermord aus?

Es zeigt Verbindungen durch die Geschichte auf. Es zeigt den Zusammenhang zwischen der Nakba von 1948 und der Nakba von jetzt. Der israelische Siedlerkolonialismus hat nicht mit dem Krieg in Gaza begonnen. Sie bedienen sich einer Reihe von Handlungen, die fortführen, was sie bisher getan haben.

Israel will palästinensisches Leben in Palästina auslöschen. Sie haben nicht nur Städte und Dörfer ausgelöscht, sondern die Spuren dieser Zerstörung. Es ist die Zerstörung der Zerstörung, das Auslöschen der Auslöschung. 

In Ihren Büchern schreiben Sie davon, dass die israelische Architektur an den Grenzen und in den besetzten Gebieten in Material gegossene Politik sei. Nun sind die Vorstellungen von Israel und den USA bekannt, was ein wiederaufgebautes Gaza betrifft. Was sagen diese architektonischen Vorstellungen über die Politik aus?

Für mich führen die Aufbaupläne den Genozid mit anderen Mitteln fort. Mit Architektur und Entwicklung werden Palästinenser*innen weiter vertrieben. Israel hat das schon immer getan.

Im besten Fall schafft es ein Gaza, das völlig dominiert von Israel ist und einsehbar wie ein Panoptikum. Im schlimmsten Fall führt es die Vertreibung fort und schafft Lebensbedingungen, die zum Ziel haben, die Palästinenser*innen aus ihrem letzten Bollwerk im Süden Palästinas zu vertreiben.

Vorlesungsreihe «Territory and Violence»

Die Vorlesungsreihe des Instituts für Sozialanthropologie an der Universität Bern untersucht die Verflechtungen rechtlicher, historischer und politischer Entwicklungen, die der Entstehung von Territorien durch Massengewalt zugrunde liegen.

Die weiteren Vorlesungsermine sind:

  • 03. März, Geophysical Environments and the Violence of Borders

  • 10. März, Property as Warfare: Racial Violence and Colonial Continuities

  • 31. März, Geopolotics: What the right gets wrong

  • 14. April, Occupation Debris: Ethnographic museums and the Decolonisation of Archaeology in Palestine-Israel

  • 12. Mai, Maps of anger: exposing all that infuriates us about the brutality of the world

Mehr Infos zur Vorlesungsreihe gibt es hier.

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Weitere Audios zu diesem Artikel
18. Interview Eyal Weizman Ov De.mp3
18. Interview Eyal Weizman En.mp3
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