Diese Woche machte die Verhaftung des Istanbulers Bürgermeisters Ekram Imamoğlus Schlagzeilen. Mit ihm wurden laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu 87 weitere Personen verhaftet, insgesamt laufen Ermittlungen gegen über 106 Personen der Opposition des Präsidenten Erdoğans. Die Festnahme erfolgte, nachdem bekannt geworden war, dass die Universität Istanbul am Dienstag Imamoğlus Hochschulabschluss annulliert hatte. Ein Universitätsabschluss ist in der Türkei eine Voraussetzung für die Präsidentschaftskandidatur.
Offiziell lauten die Vorwürfe auf Korruption und Unterstützung terroristischer Gruppen. Kritiker halten die Justiz jedoch für politisch instrumentalisiert. Die oppositionelle CHP – nannte die Festnahme Imamoğlus einen «Putschversuch gegen unseren nächsten Präsidenten».
Denn der Zeitpunkt ist kein Zufall. Am kommenden Sonntag wollte sich Imamoğlu zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei für das Jahr 2028 küren lassen. Tausende Menschen demonstrieren seit der Festnahme Imamoğlus auf den Strassen der Türkei. Auch vergangenen Nacht waren kamen tausende Menschen in Istanbul und Ankara zusammen.
Sabine Strasser, Professorin am Institut für Sozialanthropologie der Universität Bern im Interview.