Nichts Geringeres als die Blasmusik retten. Das will ein Theaterstück, das ab morgen im Tojo Theater in der Reitschule zu sehen ist. Wir haben mit Theatermacher Max Gnant über das Bühnenstück «Zur Rettung der Blasmusik» gesprochen.
Mein Bezug zur Blasmusik ist sehr anekdotisch und singulär: Ich hatte tatsächlich nur ein einziges persönliches Blasmusikerlebnis auf Usedom, wo ich zwei Jahre Schauspiel studiert habe. Ich hatte ein Inserat gesehen, dass die örtliche Blaskapelle einen Schlagzeuger sucht, so ging ich zu einem Probenspiel. Sie haben sich offensichtlich sehr gefreut, dass da ein junger Mensch sich für diesen Posten interessiert. Die Probe hat dann damit begonnen, dass man die Bierkästen auf die Pulte in diesem Schulzimmer gestellt wurden. Und das ist so das Bild, was mir geblieben ist. Und der Polkarhythmus, den ich dann eigentlich die ganze Probe durchspielen musste. Ich war einmal da und dann nicht mehr.
Es ist ein Spiel mit den Ängsten im Raum und mit Rettung als Begriff. Wir wollen eigentlich gerne einfach dem Vereinswesen oder dem ehrenamtlichen Engagement ein Denkmal setzen. Und das würdigen, dass sich Menschen in diesen komischen Konstrukten der institutionalisierten Freizeit engagieren und dafür ihre Zeit hergeben. Das ist ein bisschen so unter dieser Rettung zu verstehen. Und es spielt natürlich auch an auf den Begriff des Vereinssterbens, der in aller Munde ist.
Ich nehme die schon stark wahr. Ich habe das Gefühl, dass die Wahrnehmung von Dringlichkeiten sehr unterschiedlich ist, ob man städtisch lebt oder eben ländlich. Mich beschäftigen aktuell auch Fragen nach Diversität und der Angst vor Überfremdung. Auf dem Land kann diesbezüglich die Klaviatur der Angst viel beliebiger bespielt werden, weil man gar nicht erst so sehr in Kontakt kommt mit diesem ominösen Fremden oder mit dieser Überfremdung. Und umso grösser natürlich dann die Ängste.
Ich denke, das ist sehr unterschiedlich. Ich würde nicht sagen, dass man auf dem Land gefeit ist vor Einsamkeit oder vor dem Mangel an Gemeinschaft. Ich glaube, da findet die Vereinzelung genauso statt. Und auch der der Rückzug ins Private, das Sterben von öffentlichen Begebenheiten oder gemeinsamen Events. Das ist uns als Theaterschaffenden ein besonderes Anliegen.
Das ist und war tatsächlich die grösste Herausforderung, und ich glaube, dass wir einen spannenden und vielversprechenden Weg gefunden haben, der dennoch eine Gratwanderung ist. Wir haben durch das Setting eine gewisse Distanz geschaffen zum Thema. Das Stück spielt in einem Vereinsheim und zeigt die Generalversammlung eines Vereins, bei dem die Mitglieder wegbleiben. Durch die Berichte, die da verlesen werden, wird eine Distanz geschaffen, weil aus einer zeitlichen Distanz und nicht in direkter Rede berichtet wird. Das ist etwas sperrig, aber das ist, finde ich, ein ziemlich cleveres Mittel. Und es passt wiederum formal sehr zum Thema Vereinswesen. Dieses bürokratisch distanzierte und etwas staubige, verklausulierte.
Das Bühnenstück «Zur Rettung der Blasmusik» ist eine Kooperation des österreichischen Theaterkollektivs bum bum pieces und der Schweizer Gruppe vanderbolten.production.
Zu sehen ist es im Tojo Theater der Reitschule an folgenden Terminen:
Fr. 23. Januar, 20.30 Uhr
Sa. 24. Januar, 20.30 Uhr
So. 25. Januar, 19 Uhr
In der Vorstellung vom Sonntag spielt eine Formation der Berner Stadtmusik eine Zugabe.
Mehr Informationen gibt es hier.