Im RaBe-Info gibt es ab heute eine neue Kulturstimme: Mit «BKa on Air – Berns Kultur live im RaBe-Info» startet eine wöchentliche Rubrik in Zusammenarbeit mit der Berner Kultur Agenda (BKA). Jeden Donnerstag ist künftig Sue Leuenberger, redaktionelle Leiterin der BKA, zu Gast im Studio und berichtet über Hintergründe, Gespräche und Entdeckungen aus der Berner Kulturszene.
Zum Auftakt wagt Sue Leuenberger gleich zwei Premieren: Ihren ersten Live-Auftritt im Radio, und eine Kulturpremiere auf der Bühne. Thema der ersten Sendung ist «Die Orestie» des antiken Dichters Aischylos. Das rund 2400 Jahre alte Drama kommt am Samstag im Stadttheater von Bühnen Bern zur Aufführung.
Die Handlung der «Orestie» ist ein blutiger Familienkonflikt. Der griechische Heerführer Agamemnon kehrt aus dem Trojanischen Krieg heim und wird von seiner Frau Klytaimestra ermordet. Sie rächt damit die Opferung ihrer gemeinsamen Tochter Iphigenie. Später tötet der Sohn die Mutter, um den Vater zu rächen. Eine Spirale aus Gewalt, die sich scheinbar endlos weiterdreht.
Doch im dritten Teil der Tragödie geschieht etwas Unerwartetes: Der Kreislauf der Rache wird durchbrochen. An die Stelle persönlicher Vergeltung tritt eine neue Ordnung: Rechtsprechung und demokratisches Entscheiden. Die «Orestie» gilt deshalb als eine Art theatrale Geburtsstunde der Demokratie.
Wie aber lässt sich ein antiker Stoff heute inszenieren? Diese Frage stellte sich auch Sue Leuenberger. Während der Proben traf sie die deutsch-dänische Regisseurin Anja Behrens, die das Stück in Bern auf die Bühne bringt. Im Gespräch zeigte sich Behrens beeindruckt von der Aktualität des Mythos. Theater könne menschliche Abgründe sichtbar machen, ohne vorschnell moralisch zu urteilen, sagt sie, und so Räume für kollektive Erfahrung und Katharsis schaffen.
Besonders gespannt ist Leuenberger auf die Umsetzung des dritten Akts. Anders als im antiken Original sprechen hier nicht die Götter über Demokratie. Stattdessen treten 15 Berner Kinder auf die Bühne, viele ohne Bühnenerfahrung, und tragen die Menschenrechte vor. Kinder seien oft die ersten Opfer von Gewalt, so Behrens. Darum gehöre ihnen die Stimme.
Die Premiere von «Die Orestie» findet am Samstag, 21. Februar, um 19.30 Uhr im Stadttheater von Bühnen Bern statt; weitere Vorstellungen folgen bis 16. Juni. Für die Premiere werden 2x2 Tickets verlost. Wer teilnehmen möchte, schreibt eine Mail mit dem Vermerk «Orestie» an tickets@bka.ch.