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27. August 2025
Souhung: Queerer Mundartklassiker auf der Bühne
Max Gnant
Foto: Max Gnant Martin Franks Kultroman von 1979 lebt weiter – Max Gnant bringt „Fögi“ ins Theater

ter fögi ische souhung: ein Kultwerk aus dem Jahr 1979, geschrieben von Martin Frank. Ein Pionierwerk der Mundartliteratur und der queeren Literatur der Schweiz. Max Gnant bringt das Stück dieses Wochenende auf die Bühne.

RaBe Info: Was hast du am Roman von Frank so faszinierend gefunden?


Max Gnant: Mir ist dieser Roman beim Lesen unter die Haut gegangen. Ich würde sagen, dass das daher kommt, dass er eben einer der wenigen Romane ist, die komplett in Schweizer Mundart geschrieben sind. Als ich den Text gelesen habe, wusste ich sofort, dass ich dazu gerne etwas machen würde. Das war 2011. Um diese Zeit herum ist Dr Goalie bin ig herausgekommen. An einer Lesung hat mir Pedro Lenz Martin Frank empfohlen. Daraufhin habe ich dieses Buch gesucht. Es war vergriffen. Es ist im Eigenverlag erschienen, und deshalb gab es keine Exemplare mehr – nur noch antiquarisch und in der Bundesbibliothek Bern. Dort habe ich es dann ausgeliehen.

RaBe Info: Inzwischen wurde das Buch neu aufgelegt. Im Buch geht es um eine Liebesbeziehung zwischen Beni und Fögi. Beni ist 15 Jahre alt, er verliebt sich in Fögi. Die beiden führen eine anfangs leidenschaftliche, später dann sehr zerstörerische Beziehung. Wie genau geht diese Dynamik weiter?


Max Gnant: Fögi ist auf der Suche nach Vorbildern und Orientierung. 1979 gab es keine Rollenbilder für schwule, erwachsene Männer. Im jugendlichen Alter war man potenziell ein Lustobjekt, aber wenn man erwachsen wurde, musste man das verstecken. Es war auch verboten. Ich glaube, dass Fögi diese Leerstelle mit zerstörerischer Energie füllt, weil ihm die Liebe und Akzeptanz der Gesellschaft fehlen. Er entwickelt eine sehr dominante Haltung gegenüber Beni. Und die zwei beginnen Spiele zu spielen, die toxisch sind und gefährlich werden.

RaBe Info: Das Buch erschien 1979. Es war einer der ersten Mundartromane und auch einer der ersten queeren Romane in der Schweiz. In der Zwischenzeit hat sich einiges geändert: Queere Literatur ist sehr viel populärer geworden. Kim de L’Horizon hat für Blutbuch den Schweizer Buchpreis gewonnen. Wieso genau ist für dich Der Fögi ist ein Sauhund immer noch zeitgemäss und gehört auf die Bühne?

Max Gnant: Für mich ist der Text sehr zeitlos. Viele Autorinnen und Autoren, die auf Mundart schreiben, beziehen sich immer noch auf Frank. Und abgesehen davon ist es einfach eine tolle Geschichte, mit einer grossartigen Dramaturgie, die wahnsinnig unter die Haut geht. Wie gesagt, ist das Thema immer noch aktuell. Und man muss oder kann vielleicht ein bisschen weiter fassen, was es heisst, eine queere Liebesgeschichte zu erzählen oder was es bedeutet, einer Minderheit anzugehören in einer Gesellschaft, die sehr leistungsorientiert ist. Bei den beiden geht es auch um eine Suche, um einen kreativen Lebensentwurf, um Unangepasstheit. Und das ist alles brandaktuell, würde ich sagen.

Souhung von Max Gnant ist am Freitag und Samstag bei der Jungen Bühne Bern zu sehen, jeweils um 20 Uhr.

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