Max Gnant: Mir ist dieser Roman beim Lesen unter die Haut gegangen. Ich würde sagen, dass das daher kommt, dass er eben einer der wenigen Romane ist, die komplett in Schweizer Mundart geschrieben sind. Als ich den Text gelesen habe, wusste ich sofort, dass ich dazu gerne etwas machen würde. Das war 2011. Um diese Zeit herum ist Dr Goalie bin ig herausgekommen. An einer Lesung hat mir Pedro Lenz Martin Frank empfohlen. Daraufhin habe ich dieses Buch gesucht. Es war vergriffen. Es ist im Eigenverlag erschienen, und deshalb gab es keine Exemplare mehr – nur noch antiquarisch und in der Bundesbibliothek Bern. Dort habe ich es dann ausgeliehen.
Max Gnant: Fögi ist auf der Suche nach Vorbildern und Orientierung. 1979 gab es keine Rollenbilder für schwule, erwachsene Männer. Im jugendlichen Alter war man potenziell ein Lustobjekt, aber wenn man erwachsen wurde, musste man das verstecken. Es war auch verboten. Ich glaube, dass Fögi diese Leerstelle mit zerstörerischer Energie füllt, weil ihm die Liebe und Akzeptanz der Gesellschaft fehlen. Er entwickelt eine sehr dominante Haltung gegenüber Beni. Und die zwei beginnen Spiele zu spielen, die toxisch sind und gefährlich werden.
Max Gnant: Für mich ist der Text sehr zeitlos. Viele Autorinnen und Autoren, die auf Mundart schreiben, beziehen sich immer noch auf Frank. Und abgesehen davon ist es einfach eine tolle Geschichte, mit einer grossartigen Dramaturgie, die wahnsinnig unter die Haut geht. Wie gesagt, ist das Thema immer noch aktuell. Und man muss oder kann vielleicht ein bisschen weiter fassen, was es heisst, eine queere Liebesgeschichte zu erzählen oder was es bedeutet, einer Minderheit anzugehören in einer Gesellschaft, die sehr leistungsorientiert ist. Bei den beiden geht es auch um eine Suche, um einen kreativen Lebensentwurf, um Unangepasstheit. Und das ist alles brandaktuell, würde ich sagen.
Souhung von Max Gnant ist am Freitag und Samstag bei der Jungen Bühne Bern zu sehen, jeweils um 20 Uhr.